Website of Markus Griesser
Latest Update: 29.12.2007
I will write here about topics I read in different newspapers or magazines
that especially got my attention. Due to my bad english, I will write them
in german language.
Index:
Künstliche Intelligenz
Wille und Wissen
Wir sind noch nicht am Ende
Ein Essay im Spektrum der Wissenschaft vom
Jänner 2006 behandelt die Entwicklung der künstlichen Intelligenz in
der nahen Zukunft. In dem Artikel von Ray Kurzweil wird im speziellen die
mögliche Leistungsfähigkeit der starken KI in wenigen Jahrzehnten
dargestellt. Teilweise erschreckende Szenarien erinnerten mich dabei eher an
einen Hollywood Film der Teile von Terminator, Matrix und Star Trek vereint.
Ich bin zwar generell jeder technologischen Entwicklung gegenüber
positiv eingestellt, aber es gibt meiner Meinung nach Gebiete, deren
Geheimnisse wir lieber unerforscht lassen sollten. Dazu gehören neben der
Gentechnik auch die KI. In Wirklichkeit ist die
schwache KI ja schon lange ein Teil unseres täglichen Lebens. Sie plant
für uns Routen in einem Navigationsgerät, filtert unsere EMails,
oder kämpft gegen uns in Computerspielen. Aber allen diesen
Anwendungsbereich gemein ist die Tatsache, dass die KI in diesem Fall eine
Anhäufung komplexer Algorithmen ist, die im Prinzip nicht wirklich
Intelligenz beinhalten im Sinne der menschlichen. Sie ist nicht oder nur
begrenzt im Stande auf unbekannte Probleme zu reagieren, Kreativität
hervorzubringen oder selbstständig zu entscheiden. Das ist bislang
eine Fähigkeit die nur dem Menschen zugesprochen werden konnte. Wenn es
nach Herrn Kurzweil gehen soll, allerdings nicht mehr lange.
Er postuliert die Überlegenheit der Maschine in allen kognitiven Bereichen
bereits in 14 Jahren. Das ist kein Datum weit in der Zukunft, sondern ein
Jahr das wir vermutlich alle noch miterleben werden können/dürfen/
müssen.
Ganz aus der Luft gegriffen ist seine Vermutung allerdings nicht. Er bezieht
sich nämlich auf den ständig wachsenden Fortschritt vor allem im IT
Bereich und den aus Hilfsmitteln wie Computern sinkenden Entwicklungszeitraum
für neue Technologien. Wir bauen Computer, die uns helfen Dinge zu
berechnen oder zu simulieren, die wir ohne Computer auch schaffen würden,
aber langsamer. Der Zeitraum zwischen bedeutenden Entwicklungen sinkt immer
mehr und seiner Meinung nach wird die Menschheit zwischen 2000 und 2014 so
viel Fortschritt erleben wie innerhalb des gesamten 20. Jahrhunderts.
Endergebnis wird die Verschmelzung zwischen Maschine und Menschen sein, wobei
er Nanobots in unseren Körpern die Verbesserung unserer körperlichen
und geistigen Leistungsfähigkeit zuspricht. Nur frage ich mich wozu...
Wenn diese Maschinen so viel leistungsfähiger sein werden als wir selbst,
warum sollten diese uns dann unterstützen. Unsere biologische Intelligenz
wird nur noch ein Prozentsatz von unserer technisch unterstützen
Intelligenz sein. Wir werden
Borg...
In gewisser Weise bereiten mir diese Aussichten Sorgen, machen mich aber auch
neugierig. Wenn man sich die Entwicklung des Menschen in den letzen tausenden
von Jahren ansieht, hat sich scheinbar nichts getan. Wir sind ja immer noch
Neanderthaler die sich zwar anders kleiden aber von wahrer Intelligenz keine
Spur. Tagtäglich werden Menschen wegen Banalitäten wie Geld,
Eifersucht oder Rache getötet. Hohe Politiker national wie international
benehmen sich wie kleine Menschen im Kindergarten, gerade so als hätten
sie sich über die Jahre nur in der Körpergröße entwickelt.
Vielleicht wird es tatsächlich Zeit, dass wir mal etwas Konkurenz
bekommen, schließlich belebt sie ja das Geschäft und erinnert einige
unserer Entscheidungsträger auch mal daran, dass es nach
Gewinnmaximierung und Wahlkampf ein richtiges Leben auch noch gibt, in der
innhaltslose Floskeln keinen Wert haben.
Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert. Widerstand ist zwecklos.
Im neuen Spektrum der Wissenschaft
schreibt Michael Springer über das oft diskutierte Problem des freien Willens.
Gibt es ihn oder ist er nur eine Illusion, die wir mangels aller nötigen
Informationen nur als "frei" empfinden. Ich hatte mich selbst schon oft damit
auseinander gesetzt und bin persönlich der Meinung, dass es ihn nicht gibt.
Die scheinbar freie Entscheidung diesen Artikel zu schreiben, hatte ich in
Wirklichkeit nie. Es ist deterministisch schon seit meiner Geburt festgelegt
gewesen, dass ich ihn heute schreibe. Zu Grunde liegen hier verschiedene
Einflüsse, die ich alle nicht zu verstehen vermag, aber mir teilweise bewusst
sind. Zunächst bin ich an diesen Themen (Geist und Gehirn) interessiert - warum
weiß ich nicht, dann habe ich ein Bedürfnis diese Themen zu diskutieren - warum
weiß ich nicht und zu guter Letzt erscheint ein solcher Artikel im Spektrum -
warum, weiß ich erst recht nicht. Diese Dinge zusammen haben mich dazu
bewogen, diese Zeilen hier niederzuschreiben.
Nun mögen Kritiker einwerfen, dass ich mich auch weigern hätte können. Aber
wäre das dann ein Beweis meiner Freiheit? Nicht wirklich. Hätte ich mich
geweigert um zu beweisen das ich frei bin, wäre zu den oben genannten Punkten
lediglich noch ein weiterer hinzugekommen: meine Abneigung eine fehlende
Freiheit zu akzeptieren. Alles zusammen wiederrum deterministisch...
Ein Teufelskreis? Für mich nicht. Möglicherweise für gläubige Menschen die an
den von Gott gegebenen freien Willen festhalten wie an den Eindruck bei einer
demokratischen Wahl in Amerika den Präsidenten bestimmen zu können. Beides nicht
wahr.
Nun stellt sich die Frage, ob die aktuelle Rechtssprechung dann noch gehalten
werden kann. Schließlich ist niemand mehr für irgendwas verantwortlich, bzw.
kann für seine Taten verantwortlich gemacht werden. In weiterer Folge kann auch
niemand mehr eingesperrt werden um die Gesellschaft vor seinen Taten zu
schützen. Nichts wäre schlimmer als einen Mörder frei herumlaufen zu lassen,
nur weil er nichts dafür kann. Aus diesem Grund kann und darf man hier auch
nichts ändern. Jemand der zum Mörder wird hatte halt "Pech", muss aber trotzdem
eingesperrt werden. Auch wenn er meiner Meinung nach nicht dafür verantwortlich
sein kann.
Michael Springers abschließende Aussage enthält zwischen
den Zeilen sowohl Befürwortung als auch Ablehnung. Er definiert die freie
Entscheidung als einen Entscheidungszwang, der auf unvollständigem Wissen
der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beruht. Quasi ein bischen was von
beidem. Für einen Beobachter erscheint es vorhersehbar, für einen selbst
scheint die Entscheidung frei.
Die Willensfreiheit besteht darin, dass wir hier und jetzt nicht
wissen, dass wir die Dinge die wir tun, gar nicht anders tun können.
Der Mensch ist zweifelsohne das intelligenteste Wesen auf diesem Planeten. Auch
wenn es manchmal nicht wirklich den Anschein macht. Unser großes Gehirn erlaubt
uns abstraktes und kreatives Denken, Probleme zu lösen und aus Erfahrungen
zu lernen. In vielen Belangen sind wir auch Computern noch überlegen, obwohl
diese schnell und beständig zu uns aufschließen.
Computer entwickeln sich oder besser gesagt wir entwickeln sie. Aber entwickeln
wir uns auch? Und was könnten wir noch erreichen? In der Oktober Ausgabe
des Spektrums (wer hätte das gedacht) wird über einen Mann aus den
USA berichtet, dessen kognitive Fäigkeiten wohl eher an einen Computer
erinnern. Er liest zig-tausend Seiten starke Bücher in wenigen Stunden
und braucht zwischen 10 und 20 Sekunden pro Seite. Einmal gelesen vergisst
er nie mehr was in diesem Buch stand. Aber nicht nur den Inhalt sondern auch
beliebige Querverweise wie Seitenzahlen auf denen zitierte Texte stehen. Er
kann das Buch frei wiedergeben ohne einen Fehler zu machen. Bislang hat er
in etwa 9000 Bücher gelesen.
Auch ist es für ihn kein Problem den Wochentag zu einem beliebigen Datum
zu nennen. All diese Fähigkeiten verdankt er seinem, im Vergleich zu anderen
Menschen, recht ungewöhlichem Gehirn.
Trotz allem ist er nicht in der Lage sein Leben alleine zu meistern, weil
alltägliche Aufgaben die das Leben in einer Gemeinschaft mitsich bringen
für ihn unerfüllbar sind. Medizinisch gesehen ist er ein Savant - ein
Mensch mit Inselbegabungen die sich meistens bei autistischen Patienten zeigt.
Kim Peek ist aber kein Autist.
Schon bei seiner Geburt war sein überdurchschnittlich großer Kopf aufgefallen.
Im fehlt der Balken zwischen den Hemisphären der bei einem normalen Menschen
die Koordination der beiden Gehirnhälften übernimmt (so wird es
zumindest vermutet). Die Funktion des Balkens ist noch nicht ganz geklärt,
da es durchaus Menschen gibt, die ohne ihn zur Welt kommen und keinerlei
ersichtliche Beeinträchtigung besitzen. Wird er bei einem Erwachsenen
jedoch durchtrennt, hat dieser mitunter mit erheblichen Beeinträchtigungen
zu rechnen. Es wird vermutet, dass der Balken durch andere Verbindungen im
Gehirn ersetzt wird, sollte er schon während der Entwicklung fehlen. Einige
Wissenschaftler gehen davon aus, dass die meist dominante linke Gehirnhälfte durch das Fehlen des Balkens an Wichtigkeit verliert und so auch die
unterdrückten Fähigkeiten der rechten Hälfte stärker zum
Vorschein kommen.
Kim Peek ist ansonsten ein normaler Mensch mit Bewegungs- und Koordinationsschwierigkeiten, die vermutlich durch sein zu kleines Kleinhirn verursacht werden.
Dieser Teil des Gehirn ist für unsere -Algorithmen- zuständig.
All diese Tatsachen und die Fähigkeiten die Kim Peek besitzt lassen mich
stark hoffen, dass unsere Entwicklung in geistiger Hinsicht noch nicht
abgeschlossen ist. Für ihn sind all die Dinge die er kann selbstverständlich und bereiten ihm keine Mühen. Für einen normalen Menschen sind
sie nicht zu schaffen.
Durch seine Person wurde der Film RainMan mit Dustin Hoffmann inspiriert, auch
wenn dieser Film in keiner Weise sein Leben erzählt, werden dennoch die
Begabungen von Savants gut übermittelt. Vielleicht spricht man in ein
paar hundert Generationen nicht mehr von Inselbegabung bei einen Menschen
wie Peek, sondern über Dummheit bei heute intelligenten Menschen.
Vorausgesetzt die heutigen Entscheidungsträger (deren extrem
unterdurchschnittliche Intelligenz ich hier nicht näher erläutern
will) bomben uns nicht in die Steinzeit zurück. Schönen Gruß an Kim
Jong-il (Nordkorea).